CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL IN DEUTSCHLAND

  Neu 14. Juli 2019

… das ist Thema eines Gastbeitrag.
Hier eine erste Vorschau, die Appetit auf mehr machen soll.

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL IN DEUTSCHLAND ist lange her.
Das war 1970 und 1971; insgesamt sieben Konzerte:

12. April 1970 Essen, Gruga-Halle
22. April 1970 Berlin, Sportpalast (2 Konzerte)

13. September 1971 Frankfurt am Main, Kongreßhalle (2 Konzerte)
16. September 1971 Berlin, Deutschlandhalle
17. September 1971 Hamburg, Ernst-Merck-Halle.

Bekannte Audio-Aufnahmen gibt es von den Konzerten in Essen (12.04.1970) und Berlin (22.04.1970 und 16.09.1971).

Rückblick.

Essen, Gruga-Halle, 12. April 1970

50 Minuten Rock mit der „Travellin‘ Band“
Trotz Durbridge-Krimi kamen fast 4000 Fans
Vorprogramm: Wilbert Harrison und Brainbox
Knapp 50 Minuten dauerte am Sonntagabend in der Grugahalle der Auftritt der vier US-Rock-Boys aus San Franzisko: Creedence Clearwater Revival. Trotz Durbridge-Krimi zog die „Travellin‘ Band“ immerhin 4000 Fans an. Sechzig Minuten sollten sie laut Vertrag auf der Bühne stehen. Doch die John Fogerty, Doug Clifford, Tom Fogerty und Stu Cook schafften ihr Non-Stop-Rock-Programm in kürzerer Zeit – instrumental perfekt, gut aufeinander eingespielt, eben wie echte Profis. Da blieb kein Gedanke an Zugaben, wie sie einige Fans forderten. Sie hatten ihr Vertrags-Soll erfüllt.
„Das sind clevere Jungen, alle haben studiert, die wissen, was sie wollen“, urteilte Veranstalter Konrad Mallison. „Sightseeing“ steht an erster Stelle auf dem Tournee-Programm der CCR. Sie wollen den alten Kontinent kennenlernen. Daneben geben sie auch noch acht Konzerte, u.a. im Olympia in Paris. Mallison: „In London besuchen die bestimmt das Britische Museuum.“
Das Publikum hatte indes viel Spaß an seinen Idolen. Sänger John in dunklen Leder-Jeans mit aggressiver Stimme, der Körper unter echter Pilzkopf-Mähne in ständiger Bewegung. Schlagzeuger Doug hart gegen sich und seine Instrumente. Baßgitarrist Stu und Rhythmusgitarrist Tom mehr verinnerlicht. Eine starke, eine perfekte Band. Aber wie gesagt: 50 Minuten Rock.
Im Vorprogramm: Mr. ‚Kansas City‘ Wilbert Harrison. Seine Ein-Mann-Show ist in den USA sehr bekannt. Der von ihm komponierte und von Canned Heat interpretierte Titel Let’s Work Together zu Beginn des Konzertes. Die CCR hatten Harrison gleich mitgebracht. Aus einem ganzen Katalog von Vorschlägen von der „Travellin‘ Band“ für das Konzert schließlich akzeptiert: Brainbox aus Holland, die auch auf dem 2. Pop & Blues Festival am 24./25. April spielen sollen.
<Tagespresse, Autor des Textes unbekannt>

  
linkes Foto: In voller Pop-Rock-Aktion: John Fogerty, Sänger und Leadgitarrist, sowie Schlagzeuger Doug Clifford vom Quartett der CCR, mit drei Millionen verkauften Platten zur Zeit Amerikas beste Rockgruppe.
rechtes Foto: Simplen Rock’n’Roll spielten Stu Cook und John Fogerty von der kalifornischen Band CCR.

Clearwater – das war kein Höhepunkt !
Der Ansager, ein eilens herbeigerufener Essener Diskjockey, versprach „dufte Hochstimmung, ha, ha, ha“, doch der Abend mit der kalifornischen „Travelling Band“ Creedence Clearwater Revival in der Grugahalle war nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein künstlerischer Reinfall. Für den Höhepunkt sorgte dagegen die holländische Gruppe Brain Box, die im Beiprogramm spielte.
Das reichlich enttäuschende Beat-Konzert begann mit Wilbert Harrison aus New York, einem Alleinunterhalter mit Schlagzeug, Gitarre, Mundharmonika und Gesang. Harrison ist ein Abkömmling der schwarzen Straßenmusikanten, die von Ortschaft zu Ortschaft zogen, um das anspruchlose Publikum zu unterhalten. Er spielt den archaischen, ländlichen Blues des Südens.
Eintöniges Repertoire: In sein recht eintöniges Repertoire preßt er bewährte Ohrwürmer wie den klassischen Blues See See Rider und den Beatles-Hit Twist And Shout. Selbst die Eigenkomposition Let’s Work Together, populär geworden durch die kalifornische Blues-Band Canned Heat ist auf dieselbe Weise monoton. Harrison Blues-Schema wirkt auf die Dauer ermüdend. In seinem schleppenden Gesang spürt man das krampfhafte Bemühen, ein Ray-Charles-Gefühl zu erreichen. Es lohnt sich nicht, derart simple Blues-Kunst über den Atlantik zu holen und dem erstaunten europäischen Publikum vorzusetzen.
Die Holländer kamen mit ihrem Repertoire bei weitem zu kurz. Um sie richtig beurteilen zu können, hätte man ihre wahren Hits hören müssen. Aber auch schon so waren sie einige Klassen besser als der sogenannte Höhepunkt Clearwater. Der Vergleich mit Jimi Hendrix trifft auf die Virtuosität dieser Musiker zu. Der harte Blues-Rock wird klar und sauber ausgespielt, darüber liegen die exzentrischen Klänge der Lead-Gitarre.
Eine Traum-Gage: Es war erfreulich, daß die Brain Box bereit war, im Beiprogramm von CCR aufzutreten, denn viele andere Bands hatten sich geweigert, mitzumachen. Schon das sagt genug über die Qualität der Amerikaner aus, die wegen ihres immensen Erfolges in der letzten Zeit eine Traumgage von 12.000 Dollar fordern konnten.
Die Band existiert bereits seit 1959, also länger als die Beatles. Sie lief anfangs unter dem Namen The Golliwogs. Ende 1967 formierte sie sich als Creedence Clearwater Revival. Der neue Name ist bezeichnend für die Musik. „Creedence“ soll einen starken Glauben zum Ausdruck bringen, „Revival“ bedeutet die Wiederbelebung des hämmernden Rock’n’Roll aus schon fast vergessenen Zeiten. Green River kündet wie viele Country-Lieder von der guten alten Zeit, und der neueste Millionen-Hit Travelling Band mutet an wie eine alte Little-Richard-Nummer.
Stumpfsinnig: Das ist stumpfsinnig und nicht einfallsreich. Doch mit der frohen, gehämmerten Botschaft hat die Band nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa großen Erfolg, daran ändert auch nicht der schwache Besuch in der Grugahalle. Die vier ach-so-lustigen Amerikaner wissen, daß ihre Musik einen Rückschritt bedeutet. Darin liegt ihre Arroganz.
<Tagespresse, Autor des Textes Volker Steinhausen>

Setliste: Born On The Bayou, Green River, Tombstone Shadow, Travelin‘ Band, Fortunate Son, Commotion, The Midnight Special, Bad Moon Rising, Proud Mary, The Night Time Is The Right Time, Down On The Corner, Keep On Chooglin‘.

Hier endet die Vorschau.
Der weitere Rückblick zu den Konzerten einschließlich der Bebilderung ist Bestandteil des Gastbeitrages. Über den Zeitpunkt der Fortsetzung kann ich im Moment keine konkrete Angabe machen. Geplante Fertigstellung dieser Seite könnte im Sommer nächsten Jahres sein (Stand 14.07.2019).

Anmerkung:
Interessant wie damals berichtet wurde, vor allem der Ausdruck, Satzstellung, Satzzeichen und auch die eine und andere Schreibweise bestimmter Eigennamen entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard.

 

Beitragsbild oben: Plakatausschnitt / © Copyright OPROW / 2015-2019